Die Braut ist geschmückt - wird sie gepflückt?

Zweiter Akt
„Show u r Biz“

Scene 4

Frühstücks-Separee im Adlon Kempinski

Liliane, A.S., Bay B., Shar K., Dr. Pro, Stea L., I.K. in gesellschaftlicher Runde

Bay B.: Ich habe heute Morgen die Bibliothek reservieren lassen. Um 10 Uhr werde ich einer vielversprechenden „Pitch“ beiwohnen.

Stea L. (mit böser Zunge): Welch‘ geschäftige Worte aus Deinem Munde! Ein ausgewachsener Weltrettungsversuch oder nur lärmloses Spenden für milde Zwecke?

Liliane: Stea ich bitte Dich! Gönne Bay ihre Großherzigkeit. Sie kann und will es sich leisten. Wann hast Du das letzte Mal „Gutes“ bewirkt?
(ein hämischer Unterton war nicht zu überhören)

Bay B.: Oh, es ist ein junges Gründerteam mit einem echten, kommerziellen Knaller!

Shar K.: Und welches Thema? In welchem Stadium befindet sich das Engagement?

Bay B.: Geschätzter Shar, da will ich den Präsentatoren nicht vorgreifen (lächelt charmant). Da wäre doch die ganze Spannungskurve beim Teufel!

Dr. Pro: Sie lassen es mich einfach wissen, wenn Vertragliches ansteht.

Bay B.: Sie sollten sich heute bereits einbringen. Es werden heute höchstwahrscheinlich Nägel mit Köpfen gemacht was die Eckdaten und Next-Steps betrifft!

I.K.: Oh liebe Bay, welch‘ Progressivität! Seit wann bist Du hier in Berlin? Seit gestern Morgen? Wie lange hast Du dieses Engagement denn schon in Petto? Es ist doch sonst nicht deine Art im geheimen zu agieren – na, na, ohne uns einzuweihen!

Bay B.: Der Mensch ändert sich – von Zeit zu Zeit!

Liliane: Also ich werde das Possenspiel ein paar Minuten auf mich wirken lasse, dann ziehe ich mein Galerie-Vorhaben in der Auguststraße der Sache vor.

Shar K.: Einen Blick werde ich auch riskieren.

Dr. Pro: Ich werde da sein. Sie geben mir, wie üblich, Signal sobald ernsthafte Absichten sich in formalen Akten äußern sollen.

A.S.: (subsumierend) Es geht also um 15 min Zeitaufwand, richtig? Das lässt sich einrichten.

die Runde widmet sich wieder der gewohnten Konversation und löst sich nach und nach auf

Scene 5

Bibliothek des Adlon Kempinski  – 9:45 Uhr: Tura, von der Rezeption kommend, mit Zugangkarte;
J. direkt aus Richtung Haupteingang des Hotels heranschreitend

Tura: Hallo „Tschey“, ich habe die Zugangskarte schon erhalten. Komm mit, wir müssen uns beeilen …

J.: Ja, ja, bin schon da. Mich hat nur der Taxifahrer den letzten Nerv gekostet. Aber egal hat ja alles geklappt soweit …

Tura entsperrt die Türe zur Bibliothek und öffnet diese

Tura: „Heilige … Boah …

J.: (einen Moment später eintretend): Oh-La-La – Da rutscht mir ja das Herz in die Hose …

Tura: Halleluja, hier stinkt’s ja förmlich nach Geld! Sieh nur was hier schon alles aufgefahren wurde auf den runden Tischen. Das ist aller erste Sahne sag ich Dir!

J. (gedämpft und vorsichtig): Nicht so laut und ordinär! Die Türe steht offen und es kann jeden Moment jemand vorbei kommen!

aus einem nicht einsehbaren, englischen Ohrensessel der Marke Chesterfield

I.K.: Oder schon da sein! Ich wiederspreche ungern aber „pecunia non olet!“ Geld stinkt bekanntlich nicht! Und ergänzend zu Ihrer Aussage zur antizipierten Preiskategorie des vor Ihnen befindlichen Ressourceneinsatzes: „Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann etwas anderes als Äquivalent gesetzt werden; was dagegen über allen Preisen erhaben ist, das hat seine Würde.“

I.K. steht auf und bietet seinen Handschlag zur Begrüßung an

I.K.: Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle: Ibrahim Emanuel Karl der III. von und zu Königsberg. Aber keine Angst: Ich beiße nicht. (lächelt die beiden „Jungspunte“ wohlwollend an) Ich liebe es nur zurückgezogen, umgeben von Büchern; diese friedliche, morgendliche Stimmung; pure Assimilierung zelebrierend.

Tura (die sich als erste wieder fängt): Äh – Herzlichst, mein Name ist „Tura Emilie Francesca Berger“. Freut mich Sie kennenzulernen.

J. (die rote Gesichtsfärbung langsam kontrollierend): Ich grüße Sie. Ich bin „Johann David Wyss“ in siebter Generation aus der Schweiz, um genau zu sein, aus Wohlen bei Bern.

I.K.: Lassen Sie sich nicht weiter stören, ich ziehe mich wieder dezent zum Lesen zurück bis Herren und Damen sich eingefunden haben.

I.K. zurück auf den Sessel, mit einem Buch über die 36 Strategeme

Tura und J. beziehen ohne weiteren Wortwechsel Stellung auf dem als Präsentationstisch vorbereiteten Bereich und montieren die Technik, testen den Beamer und legen sich eine bescheidene Notausstattung an Wasser und kleinen Häppchen zurecht

Tura (findet langsam wieder in einen arbeitsfähigen Zustand zurück, förmlich sprechend):  Wir sollten die Pitch Deck nochmals im Schnellverfahren durchgehen und dabei die bereits zugeteilten Präsentationsanteile unser Beider kurz auf Konsistenz querprüfen.

J. (sichtlich froh, dass Tura sich gefangen hat): Das ist eine gute Idee …

die beiden springen hektisch, nervös und ohne klare Vorstellung davon wer, wann, was einbringen soll von Folie zu Folie; dabei lassen Sie immer wieder aus Ihrer Sicht hochgestochene Fachausdrücke fallen

Scene 6

Immer noch in der Bibliothek des Adlon Kempinski; Tura und J. haben bereits die Technik vorbereitet, I.K. noch im Raum anwesend, wieder zurück im englischen Ohrensessel; nach und nach tretten ein: Bay B., Liliane, Stea L., Shar K., Dr. Pro, A.S.

Bay B. (sich an Tura wendend): Ich grüße Sie auf’s herzlichste, meine Liebe! Schön Sie wieder zu sehen. Ich hoffe die Anreise heute Morgen war angenehm und ohne Komplikationen. Oje! Ich sehe Sie wurden noch nicht einmal vom Personal umsorgt. (dreht sich ohne eine Rückantwort erwartend um und geht zum Haustelefon) Moment ich kümmere mich darum …

Bay B. nimmt Kontakt mit dem Service auf und fordert mit bestimmendem Ton patentes Servicepersonal in der Bibliothek – sofort

Bay B. (zu beiden – J. & Tura – gerichtet): Nur noch Sekunden, meine Lieben. Bitte seid so frei, nehmt solange von dem bereits angerichteten Präsenz-Buffet und keine Hemmungen. (symphatisch lächelnd)

Stea L. betritt den Raum

Stea L.: Freie Platzwahl?

Bay B.: Natürlich Stea (zeigend auf einen bestimmten Platz) von hier aus solltest Du eine hervorragende Sicht auf die Darstellungen haben.

Stea L.: Danke Schön. Du bist einfach zu gütig und fürsorglich.

Shar K. betritt den Raum

Shar K.: Guten Morgen die Damen und Herren. Ich bitte schon vorab mich zu entschuldigen. Ich werde mich unauffällig auf 10:20 Uhr für eine telefonische Abstimmung zurückziehen müssen. Je nach Verlauf und Länge kann es sein, dass ein weiteres Beiwohnen dann nicht mehr möglich sein wird.

setzt sich ohne weitere Worte an einen der Gästetische

Bay B.: Kein Thema! Sollten sich wichtige Aspekte in dieser Zeit ergeben sehen wir uns ja heute zu späterer Zeit nochmals,dann kann ich „nachliefern“ (lächelt ihn freundlich an)

Stea L.: Der Mann mit der Prioritätenliste sei entschuldigt.

Dr. Pro betritt den Raum

Dr. Pro (sich zu Bay B. orientierend): Wo sitzen Sie Gnädigste?

Bay B.: Hier drüben. (deutet auf den von Stea L. am weitesten entfernten Platz der noch frei ist)

Dr. Pro (kurz bevor er sich an den Nebenplatz setzt): Sie erlauben?
Bay B.: Aber gerne!

Liliane betritt den Raum

Liliane (zu Bay B.): Liebste Bayadija, Du weißt von meinem Terminkonflikt. Ich konnte es leider nicht mehr anders arrangieren.

Bay B.: Ja natürlich, Liliane. Sei Dir versichert, dass ich zur Ermöglichung einer fundierten Nacharbeit die nötigen Unterlagen zur Verfügung stelle

 A.S. betritt den Raum

A.S. (Bay B. kurz annickend, wendet sich zu Liliane): Geschätzte Liliane!

A.S. sucht sich einen Platz; nickt kurz den anderen Gästen zu;
setzt sich und mustert,kurz und knapp, Tura und J.

Schlag 10 Uhr, nun sind alle im Raum, jedoch Bay B. zögert noch kurz mit der Schließung der Tür.

Bay B.(während Sie die Tür schließt): Schade, Ibrahim fehlt noch – es ist ihm wohl etwas dazwischen gekommen.

Stea L.: Wieder einmal typisch für „Iby“. Zuerst zollt er reges Interesse, will unbedingt beizuwohnen und dann, ohne ordentliche Absage, ist der Termin doch unter seinem Denker-Niveau …

I.K. (erhebt sich und räuspert kurz): Oh entschuldige meine Liebste! Ich wollte nur die beiden Präsentatoren nicht bereits vor Beginn der Veranstaltung belagern. Und nun war ich ganz versunken in meiner Lektüre und überhörte ganz den Gongschlag. Ich danke Dir für Deine Aufmerksamkeiten.

Stea L. (sofort den Tonfall in’s Wohlwollende ändernd): Ah da bist Du ja! Wäre auch schade gewesen Deine Einschätzung zu dieser Sache zu versäumen.

A.S. erhebt sich von seinem Platz geht zur Fensterfront, schließt das einzige mit Kippmechanismus versehene Fenster – kommentarlos – und begibt sich wieder auf seinen Platz

A.S. (leise in sich hinein): So werden wir den Klimawandel nicht bewältigen. Der aktuellen Hotelführung fehlt es an Feingefühl für das Wesentliche.

Bay B. (gesellt sich zu den beiden – Tura & J.): Nun denn, ich darf alle recht herzlich begrüßen. Ich bedanke mich an dieser Stelle bereits für das Interesse und die kurzfristige Ermöglichung des Zusammenfindens an diesem Morgen. Ich will es nicht verabsäumen die beiwohnenden Gäste kurz namentlich vorzustellen – den beiden Präsentatoren greife ich nicht vor, sie werden sich dann kurz selbst vorstellen.

(sich zu Liliane wendend): Zu meiner Rechten Gräfin Liliane Camille Maèlys de Poissonnier

(in Richtung A.S.): Zu gleichem Tische Sir Andrew William Edward Salomon

(in Richtung I.K.): Ibrahim Emanuel Karl zu Königsberg

(in Richtung Shar K.): Sharim Yasin Abd-al-Qadir Kalif al-Mansur

(in Richtung Stea L.): Stea Olivia Lindesay

(in Richtung Tura & J.): Ich darf nun auch Euch beiden bitten …

Tura: Geschätzte Gäste, ich darf mich kurz vorstellen: Mein Name ist „Tura Emilie Francesca Berger“. Ich freue mich heute vor Ihnen die Kernpunkte unseres Engagements zu erläutern. (leitet über zu J.)

J.: Besten Dank! Ich bin „Johann David Wyss“ aus der Schweiz. Seit nunmehr drei Jahren lebe ich hier in Berlin und beschäftige mich mit den Möglichkeiten „hochtechnisierter, visueller Kommunikation“ – im weitesten Sinne. Im speziellen: Ich habe mir einen Fundus zum Thema „Digitale Photografie & Filmproduktion“ erarbeitet.

kurze aber fast unmerkliche Pause

Bay B.: Ich denke wir können nahtlos in die Präsentation der Beiden übergehen …

Tura nimmt einen Laserpointer zur Hand und führt den Blick der Teilnehmer auf die erste Folie

Tura: In den nächsten 15 Minuten tauchen Sie ein in eines der wagemutigsten, frechsten, ja jemals angebahnten Film- & Dokumentationsprojekte. Zugeschnitten auf das heutige, vernetzte, hypermediale Zeitalter.

Wie Sie am Projekttitel erkennen können, vereint es jugendliche Frechheit, klassische Anlehnung und modernste Technik.

(zu J. wendend) Die nächste bitte … (die nächste Folie wird eingeblendet)

Das Gesamtkonzept stellt den gesamten Verlauf einer klassischen Filmproduktion und Vermarktung dar. Mit dem eklatanten Unterschied, dass alle erdenklichen, innovativen Ansätze zur Kostenreduktion und Hebelung der Außenwirkung auf Basis heutiger, internet- & Mobilgeräte-basierter Realisierungsmöglichkeiten berücksichtigt werden.

ohne sich zu J. zu wenden und den Blickkontakt mit dem Auditorium zu riskieren

Tura: next

Die Story – Sie sind bereits Teil davon – ist simpel und doch schräg:

Zwei junge Menschen landen den großen Wurf in der Medienbranche indem Sie:

Ihre Erfahrungen dokumentieren und im koordinierten Multi-Channel-Stil allumfassend publizieren und monetisieren – ein vollendetes Spektakel!

Next

Stellen Sie sich vor über alle Kanäle wird eine, fast schon verrückte, Erfolgsstory zum Vorzeige-Beispiel für eine ganze Generation. Nicht nur die jungen erfolgshungrigen, nein auch die konservativeren und wenig bis gar nicht fortschritts-affinen Kreise unserer Gesellschaft horchen auf und lassen sich inspirieren.

Next

Wie?

Eine ausgeklügelte, emotionsgeladene Message wird hoch effizient vermarktet.

(sich zu J. wendend) Bitte J. zeige die dahinter liegenden Detail-Aspekte der Umsetzung …

J.: Danke Tura – wie bereits aufgezeigt handelt es sich um ein umfangreiches Medienprojekt. Sie sehen hier den organisatorisch-zeitlichen Maßnahmenplan. Die dahinter liegende Prozesssteuerungs-Software lässt sich im Drill-Down-Verfahren über alle Ebenen hinweg durchwandern und pflegen. D.h. Jedes gesetzte, strategische Ziel, jedes abgeleitete Maßnahmenpaket, jede darunter liegende taktische Umsetzung, bis hin zu operativen Einzelmaßnahmen ist in allen Belangen abgebildet: Ziele, Kosten, Verantwortlichkeiten, Status, Ergebnisse ja selbst zugehörige Medienmaterialien und deren Ausstrahlungs- & Akzeptanzmessungen werden in Echtzeit erfasst und führen, auf Basis umfassender Big-Data-Auswertungen, zu wertvollen Erfolgsmessungs- und Entscheidungsergebnissen aufbereitet.

Sie werden sich jetzt fragen welch‘ unermessliches Budget, welch‘ unpackbare Organisation und welch‘ unbezahlbare Aufwände hier dagegen stehen. Weit gefehlt!

Sie finden hier eine Zusammenstellung aller aktuell kostenlos zur Verfügung stehenden Werkzeuge in Form von heute üblichen Cloud-Lösungen. Sogenannte SaaS, also Software-as-a-Service Angebote. Üblicherweise liegen darunter frei verfügbare Technologie-Basen sodass eine punktgenaue Adaption auf die eigenen Anforderungen quasi ohne Kosten und Einschränkungen möglich wird.
Hier eine kurze Liste der unumgänglichen Lizenz- & Ausstattungskosten und hier eine Aufstellung der benötigten Human-Ressourcen – äh damit gemeint sind die Fixkosten verursachenden festen Mitarbeiter als Realisierungsbasis.

Wie Sie erkennen können sind dies Marginalien in Bezug auf die Größe des Realisierungsprojektes.

Würde man das Projekt in heute üblicher, klassischer Organisations- & Lösungsform ansetzen wäre schon nach der ersten Kosten-/Nutzen-Rechnung Schluß!

NEXT

Hier die zu erwartenden Ergebnisse:

zeigt eine pivotierte, interaktive Cube-Auswertung nach strategischen Bereichen aufbereitet

Weiters eine Infografik die sämtliche KPIs, also Key-Performance-Indikatoren zu dem Engagement in einem Dashboard zusammenfasst … (verschnauft kurz und nimmt einen Schluck vom zwischenzeitlich „angelieferten“ Rokko No Mizu)

Hm … erfrischend .. die Marke darf ich mir nachfolgend notieren, noch nie getrunken!

A.S.: Erfrischender Vortrag, jedoch vermisse ich schmerzlich ein valides Hand-out mit detaillierter Aufstellung des Zahlenwerks. Die von Ihnen im Schnelldurchlauf dargestellten, aggregierten Aufstellungen geben keinem der Anwesenden auch nur den Ansatz von Beurteilungsmöglichkeit!

J.: Bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeit! Auf Grund der nicht möglichen Einschätzung des Teilnehmerkreises und dem fehlenden formalen Akt eines NDA, also Non-Disclosure-Aggrements, hatten wir anfangs von Hand-Outs abgesehen. Bitte geben Sie mir kurz die Gelegenheit, unter Vorschuß von Vertrauen Ihnen gegenüber, dies innerhalb der nächsten 10 min nachzuholen.

A.S. nickt zufrieden; J. übergibt an Tura und zieht sich zurück, krammt in seiner Aktentasche und zieht einen „PlanOn  PrintStik“ hervor, schließt ihn am Laptop an und beginnt eine umfangreiche Liste an Aufstellungen zu drucken …

Tura: Ich übernehme an dieser Stelle und erläutere kurz die hoch-aggregierte Infografik.

Liliane: Ich darf an dieser Stelle an den Aspekt von Sir Salomon anknüpfen: Das Thema, der Ansatz und die umfangreich eingeflossene Detailarbeit des Gründerteams zur Umsetzungsplanung honorierend, bitte ich, dem knappen Zeitrahmen der Veranstaltung geschuldet, eine klare Stellungnahme bzgl. des Mittelbedarfs zur Realisierung darzulegen.

Tura: Danke für die Einbringung! Darf ich hier bitten noch zwei Folien „Geduld“ aufzubringen? Damit könnten wir ein orientierungsloses „Springen“ im Vortrag vermeiden.

Liliane: Gerne dürfen Sie en detail weitere Folien präsentieren. Wenn Ihnen jedoch etwas daran liegt mich als mögliche Investorenpartei inhaltlich abzuholen sollten sie schnellst möglich eine finanzielle Grundeinschätzung darbieten! Die Darlegung eines sauber ausgearbeiteten Finanzrahmens ist das A und O.

Tura: Natürlich! (wechselt zwei Folien weiter)

Sie sehen hier den gesamten Finanzbedarf nach Quartalen aufgestellt. Die Kurven und schattierten Bereiche zeigen dabei die Bandbreite zwischen Worst-Case und höchst-vorsichtig projiziertem Best-Case-Szenario.

Auf der nächsten Folie (wechselt) sehen Sie nun die Zufluß-Ströme des diversifizierten Produktportfolios – trotz sehr vorsichtiger Prognose aus unserer Sicht beachtlich!

J. hat mittlerweile unzählige XLS-basierte Auswertungen zu Papier gebracht und geclippt. Er überreicht diese nun unter großer Gestikulierung – und nicht ohne Stolz – Sir Salomon

Liliane (zu Sir Salomon):  Andrew, sei so lieb, mach – wie üblich – die wichtigsten Anmerkungen dazu und lass‘ eine Abschrift an mein Büro gehen – falls es in Deinem Sinne ist.

A.S. (erwidernd): Liliane Du weißt wie gerne ich meine Ansichten mit Dir teile – selbstverständlich – Sollte zu Mittag abgreifbar sein für Dich.

Bay B. (zu Tura): Wollen Sie noch kurz einen Abschluß der Präsentation wagen bevor wir in eine offene Runde übergehen?

Tura: Gerne, da wir bereits um wenige Minuten überzogen haben. Will ich die organisatorische Folie mit Organigramm überspringen und noch die letzte „Executive Summary Slide“ aufzeigen.

Hier sehen Sie nochmals: Zielmarkt, USPs, Mitbewerber-Analyse und emotional aufgeladenes Fazit zum Engagement.

Bay B.: Besten Dank für die Ausführungen ich bitte nun um Einbringung etwaiger Rückfragen.

Shar K.: Auf welcher Grundlage basiert Ihre Erfolgsprognose?

  1. (jetzt hellwach und allen Mut zur Finte sammelnd): Im Zuge eines Forschungsprojektes an dem ich teilnehmen durfte zum Thema „Marktbearbeitung auf Basis von Medienprodukten und Monetarisierung durch Merchandising im Zeitalter des Internets“ war es mir möglich die Einnahmenseite, auf gleichen Grundlagen wie es Mediengruppen heute tun, zu prognostizieren.
    Die Ausgabenseite ist hierbei nicht relevant als Referenz, da durch Einbindung neuester Open-Source & Freemium-Angebote die Personalintensität um Faktor 10 reduzierbar ist und die Infrastrukturkosten auf, sage und schreibe, 5% des Üblichen drückbar sind.

Stea L.: Sie sind zuversichtlich das soeben dargestellte Engagement „finanziert“ zu bekommen?
Haben Sie beide wirklich die Kompetenzen als Gründerteam zur Durchführung?

Tura: Ich verstehe Ihre Vorbehalte, doch bedenken Sie bitte: Wie Ihnen Frau Begley sicher berichtet hat, findet heute Abend der eigentlich planmäßige Abschlußtermin mit einem Investoren-Konsortium einer Mediengruppe statt. Dieser Termin hier ist lediglich auf Bitte und Anraten von Frau Begley zusätzlich entstanden. Die betroffenen Parteien sind bereits umfassend informiert und sehen einer Finanzierungsvereinbarung positiv entgegen. Bzgl. der Exekutierung des Vorhabens – lassen Sie sich bitte nicht von der jung-dynamischen Art meines Mitgründers und mir täuschen. Beide sind sehr gut vernetzt und hervorragend – durch unzählige Praxiserfahrungen – aufgestellt. Wir werden das aktuell gebotene „Window of Opportunity“ nutzen und durchstarten – Sie werden sehen (Tura schenkt dem gesamten Raum ein unendlich verführerisches Siegerlächeln)

J.: Ich will mich der Meinung anschließen: Die Planung hat ausreichend Luft für „Overperforming“. Eine „Pleite“ im Finanz- oder „Schlappe“ im Produkt-Sinne ist quasi auszuschliessen!

A.S.: Gesetzt dem Fall, das mir dargereichte Zahlenmaterial, welches an der ein oder anderen Stelle durchaus noch Präzisierungsanspruch stellt, kann im Laufe der nächsten Monate der Projektlaufzeit durch Ergebnisse bestätigt werden! Aus meiner Sicht wäre im nächsten Quartal ein Investitionsengagement vorstellbar. Wie mir scheint ist für diese Runde jedoch keine realistische Einstiegsmöglichkeit gegeben, die zeitnahe Investition einer Mediengruppe wird ein zusätzliches, externes Engagement zu vermeiden wissen.

Tura: Grundsätzlich eine korrekte Einschätzung. Es ist auch keine zweistufige Finanzierung vorgesehen. Der Investitionsplan sieht vor in vier Schritten (Seed, A, B, C) mit ein und demselben Investoren-Konsortium eine komplette Durchfinanzierung zu erreichen. Sollte also von Ihrer Seite reges Interesse an einer Investition bestehen wäre ein Letter-of-Intent oder bildlich gesprochen ein Handschlag mit bindendem Charakter nach hanseatischer Kaufmannsart die einzig denkbare Vorgehensweise um zu einem positiven Abschluß zu kommen.

A.S.: Ihre offene und deutliche „Ansage“ in Ehren. Ein solch übereilter Schritt scheint mir jedoch nicht zielführend!

Bay B.: Geschätzter Andrew, ich weiß Deine professionelle Sichtweise zu schätzen, wirklich! Und wäre dieses Zusammenkommen auf ein solch scheinbares „Hopp-la-hopp“ Begebnis beschränkt würde ich vollumfänglich zustimmen. Doch beachte, dass dieser gedrungene Termin lediglich der Dringlichkeit und meinem kurzen Aufenthalt hier in Berlin zuzuschreiben ist. Ich selbst konnte bereits im Vorfeld weit ausführlicher und in hohem Maße vertrauensbildend mit dem Gründerteam Austausch halten. Deshalb kann ich von meiner Seite – im nicht präferierten Alleingang – gerne eine solche Planungsbasis für das Gründerteam schaffen. Natürlich mit einer 20:80 Splittung in EK und Fremdfinanzierung. Hierzu würde ich dann eine Einbindung unseres gemeinsamen, belgischen Bankkontakts zur Abwicklung vorschlagen. Viel lieber wäre mir aber diese Veranstaltung rund abzuschließen, eine Abstimmungsrunde heute 14 Uhr nachfolgen zu lassen und den beiden bis 17 Uhr eine verlässliche Variante der Investition mitzuteilen. Als Lokation würde ich das Separée im Kaminzimmer-Stile des Café Brel vorschlagen und arrangieren lassen.

Tura und J. sehen sich unauffällig an – kann es sein, dass hier etwas Unvorstellbares passieren wird?

Liliane: Ich denke auch, dass es an dieser Stelle angeraten ist eine legere Runde mit etwas Zwischenraum zur Reflektion zu ermöglichen. Ich bitte um passende Dokumentationsbereitstellung durch die beiden Präsentierenden bis 12 Uhr an mein Büro und würde mich jetzt, mit Beendigung dieser Veranstaltung empfehlen. Den Termin 14 Uhr im Café würde ich in den restlichen Tagesplan einbauen können.

von allen kommt ein wohlwollendes Nicken; A.S. zieht sich – von Liliane verabschiedend – zurück, kurz den beiden Präsentatoren die Hände schüttelnd; Liliane verlässt gleich nachfolgend den Raum;die übrigen wechseln an ein gemeinsames Tischchen und plaudern noch solange Tura & J. mit Rückbau der Technik beschäftigt sind; Bay B. nähert sich den beiden

Bay B.: Ich bitte um Nachsicht für die zögerliche Reaktion. Ich werde mich nach erfolgter Abstimmung heute Nachmittag mit einer verbindlichen Rückmeldung an Euch beide richten.

Tura und J. bedanken sich per Handschlag bei Bay B. und schreiben auf einen Zettel die Erreichbarkeiten & Kontaktdaten nieder; nach Verabschiedung von Bay B. und einer wohlwollenden Verabschiedungsgeste gegenüber den noch „Verbliebenen“ im Raume gehen sie ab

Shar K.: Ich kann es nicht glauben. So etwas Verrücktes ist mir noch nicht unter gekommen!

Stea L.: Da schließe ich mich ausnahmsweise mal an.

I.K.: Geschäftige Torheit ist der Charakter unserer Gattung.

Bay B.: Ihr seid allesamt ungerecht und phantasielos. Und wenn es Torheit ist – ich fühle mich dabei lebendig und mir wird warm um’s Herz bei den beiden!

Scene 7

Tura und J. haben sich so schnell als möglich aus der „Gefahrenzone“ gebracht und im nicht weit entfernten Starbucks Stellung bezogen

J.: JiiiiHaaaa – was lief da gerade für unsagbare Nummer ab?

Tura: Kommt darauf an wie man es nimmt (und verfällt in völlig unkontrolliertes Gelächter)

es dauert mind. 5 min bis die beiden sich wieder einkriegen

J. (provokativ und gekünstelt sprechend): Ich subsumiere: Heute gegen 17 Uhr werden die Herren und Damen Investoren unser beider Leben von Grund auf für die Zukunft entscheiden!

Tura: Könnte man sagen. Zwei, gestern noch, völlig fremde Menschen, ohne Plan, ohne Perspektive, gerüttelt und geschüttelt von der Last der „ungerechten Welt“ stehen kurz davor den Deal des Jahrhunderts zu erhalten – Heilige Scheiße!

J.: Affentittengeil! Oberaffentittengeil! (wechselt ins todernste)

Gepokert und gelogen – auf Teufel komm raus!

Tura: Bevor der Teufel zu uns kommt, trinkt er sich Mut an!

 Licht aus

Scene 8

Café Brel Kaminzimmer-Separée; alle eingeladenen sind bereits anwesend

Scene 9

Telefonat Bay B. mit Tura & J.

Tura: Ich nenne das nuklear, einfach nur nuklear!

Scene 10

geschäftiges Büro; Tura J. und ca. 10 „Umtriebige“

„Umsetzungsphase“

Scene 11

Country Club irgendwo wo es mondän und schön ist;
Arbeitstreffen in einem Séparée im englischen Stil; Liliane, Dr. Pro, A.S., I.K.

Anderweitige Geschäfte – „Wehe wenn Tura!“ als kleines Nebenthema

Scene 12

Telefonatkonferenz Bay B., Tura, J.

„Vorbereitung des Gesellschafter-Meetings“

Scene 13

Szene Lokal Berlin; Presse-Rummel; Tura und J. in Vorbereitungen am Pressetisch

„Offizieller Launch“

Szene 14

chaotische Bürosituation; alles geht Drunter und Drüber; Tura und J. trommeln zur Krisensitzung

„Fehlleistungen (Konkurrenz, Probleme, Liqui, Chaos, Intrigen, …)“